KK027 Fasernerds und Crafting

Mit Monika Andrae unterhalte ich mich auf dem 33. Chaos Communication Congress (33C3) in Hamburg über Crafting-Communities und textiles Making. Zudem besuchen wir verschiedene Assemblies, in denen genäht, geklebt, geplottet und gesiebdruckt wird. Monika fotografiert unter anderem analog, sie verarbeitet Wolle und Fasern, über all das bloggt oder podcastet sie auch: bei Absolut Analog, Monis Motivklingel und Fiberthermometer.


Veröffentlicht am 05.01.2017
Podcast-Notizen (Shownotes):

00:00:00 Einstieg
Monika Andrae aka @nahlinseTine hatte mal eine Ausstellung zum Do it yourself kuratiert (Ausstellungsblog) – Monika macht schon lange selbst DIY (Brot backen, Kochen, Nachhaltigkeit) – Fotografie auf Film (Tipp: Absolut Analog & Monis Motivklingel) – Hobby für Abends: Handarbeit – Kindheitserinnerungen an stickende Frauen in der Familie – Geschichten erzählen und Handarbeit – sich in die Materie einarbeiten – Spinnräder – Wolle spinnen – früh in den Prozess des Machens einsteigen – Viele Aspekte: Technik, Handwerk, Kultur.

00:06:24 Faserpodcasts 
Monikas Faserpodcast “Fiberthermometer” – Das Internet macht die Beschäftigung mit dem was Freude macht besser – das nächste Wissen ist immer nur ein Klick entfernt – Podcast kann viel transportieren – Vortrag auf der Subscribe 7 zu Crafting-Podcasts – 30 Faserpodcasts damals, jetzt etwa doppelt so viel – wöchentlich kommen neue dazu – geringe Einstiegshürde – man tauscht sich mit anderen aus – bekommt viel Feedback – Lernen durch die Vorbereitung des Inhalts und die Rückmeldungen – Monika podcastet seit 2009 – angefangen mit Fotografie – seit 2,5 Jahren Faserpodcast – Fiberthermometer als Wortspiel (Fiber = Fasern) – schaut in verschiedene Fiber Craft-Arten hinein – eigene Projekt: z.B. Sticken, Spinnen – Begriffe erklären: z.B. Spinnflügel – Fototipps – ab und zu Interviewgast (Andockpunkte zwischen anderen Kunst- und Handwerken) – etwa 1 Stunde lang – Diversität bei den Faser-Podcasts – jedoch: die Personen machen die Podcasts aus – Formate: z.B: Interview-Näh-Podcast (Nahtzugabe5cm) ein in den engl-sprach. Bereich gängiges Format – in Deutschland viel Personality-Podcasts, auch Video – Crafting ist visuell – Das Handwerk steht im Mittelpunkt, der Podcasts ist nur Mittel zum Zweck = für Gespräche und Austausch – In der Podcast-Community sind Podcaster oft erstmal Podcaster – die Crafter sind erstmal Crafter.

00:12:35 Online-Crafting-Communities
Wie vernetzen sich die Crafter: Blogs, Podcasts, Plattformen, Ravelry, Twitter…? – Vernetzen als wichtige Komponente & Wissen vermitteln – Ist nicht eine Szene – Nähnerdszene: hier Blogs (Nähmaschinen, Schnittmuster) – MeMadeMittwoch: Nähszene, Mittwochs zeigen, was hab ich genäht und an sich selbst zeigen – eigene Identität in Mode schärfen – gegen Modediktate – eigenes Selbstverständnis in der Craftingszene – ich kenne mich, ich kenne meinen Körper, ich stelle mich in der bestmöglichsten Weise dar, sodass ich mich in meinen Körper wohlfühle – Körpernormierung? Aneignungspraktiken? Aktivistisches Potential? – Feministisches Potential zudem – Ich bin genauso wie ich bin gut – Ich bin genauso wie ich bin schön – starker Aspekt, gerade in der Nähszene – Bei Monika oft Prozess wichtiger als Produkt – In der Nähszene: ich stell mich neben die Erwartungshaltung, die die Gesellschaft an mich hat und die Normen, die mir vorgegeben werden, und ich mache die Sachen, die für mich wichtig sind – so schöne Kleidung, die es nirgendwo zu kaufen gibt, muss man selber machen –  Blogs nicht nur wichtig zur Kommunikation, sondern auch zur Sichtbarkeit – Empowerment – ich kann das, ihr könnt das auch – Nehmt meine Beispiele, meine Fehler, ich teil das mit Euch, damit Ihr Euch auch emanzipieren könnt – Sharing-Community – Ideen und Energie weitergeben – In der Woll-Community: für alle die Spinnen, Stricken, Häkeln oder Weben ist Ravelry die Austausch-Plattform – Ravelry = Forum & Soziales Netzwerk – Für alle? Nur Handwerk? Oder auch für Urban Knitter? Guerilla Knitting? – Ravelry ist für alle da – z.B. Guerilla Knitting-Aktionen in Foren geplant – auch auf Facebook, ebenso Twitter – Planung und Doku auf Ravelry – feministische und politische Foren – man ist nicht nur Handarbeiter, man hat ein Leben und ein Anliegen und Selbstverständnis – Wie fkt. Ravelry? – Man legt ein Projekt an (z.B. ich möchte etwas stricken, mit jenem Muster, mit jenerer Wolle) – Muster-, Woll-, Projektsammlung – wie Woll-Datenbank mit Communityfunktionen – Wenn ich einen Pullover stricken will, kann ich sehen, wer hat das schon gestrickt und wie sieht das an großen, kleinen, dicken, dünnen Menschen aus – die Erfahrung der ganzen Community ist abrufbar – zusätzlich gibt es Nutzeraccounts (mit Profil: Persönliches, Fotos, Blogverlinkung etc.) – an das Profil können Projekte angehängt werden (was hat Tine gestrickt, welche Wolle genutzt) – virtueller Wollschrank – zudem Forensystem mit Diskussionen und Gruppen, überall ist Kommentierung möglich – ursprünglich in englisch (auch deutsch, französisch usw.) – weltweite Aktionen – das Internet schwappt ins reale Leben – Große Aktion der Fasernerds: Ravellinic Games oder Tour de Fleece – immer mit Treffen verbunden, z.B. bei Tour de Fleece (weltweiter Spin-Along am Spinnrad zeitgleich zur Tour de France) – andere Themen auf Ravelry: Podcasting in Deutsch – Fotografie – Die DIY-Community ist breit – Nähen, Stricken, Fotografie, Handschriftliches – Stricken und Nähen sehr sichtbar – Weitere Handarbeitstechniken: z.B. Klöppeln, Filzen, Nadelbinden – Alte Handarbeitstechniken im Reenactment-Umfeld (Wikinger/Mittelalter usw.) – Im Reenactment 50/50 Mann-Frau-Aktivität, hier beschäftigen sich auch Männer mit den alten Handarbeits-Kulturtechniken – In der Crafting-Szene, was ist da wichtig? Machen, Produkte, Methoden oder auch Werkzeuge und Maschinen? – Beim Congress dockt Crafting weniger über das Machen als über die Maschinen und Methoden an – Prozess-Personen und Produkt-Personen (Was für ein Ding kommt bei raus vs. wie macht man das) – bei den Technologien kommen Ingenieurthemen und Crafting zusammen – gehackte Strickmaschinen – über das Technische kommen Leute zum Stricken, die aus anderen Bereichen kommen, z.B. über Stickmaschine des RaumZeitLabors beim 32C3

00:36:05 Von der 2. Etage ins UG
Aus dem Sofabereich im 2. OG, über den Kids-Bereich (Booby Car-Parcours, Duplo-Spielplatz, Bällebad), Treppe und Rolltreppen, am Sendezentrum, an den LockPickern vorbei, runter ins Foyer, im unteren Bereich Hackspace, Infotresen und Garderobe.

00:39:38 Harry Plotter & Harry Plätter
An der C-Base vorbei steht man schon am Assembly-Tisch des HaSi e.V. – Hackspace Siegen – T-Shirt-Plot mit Harry Plotter – Folien ausplotten – Motive auf T-Shirts folieren – Harry Plätter (Riesenbügeleisenpresse) – Moni will ihren Fuchs vektorisieren lassen

00:44:11 Siebdruck
Batterieproblem – Siebdruck – 33c3-Logo – Yago – Labor-Verein in Bochum – Hackerspace – Siebdruckworkshop zum Textilien bedrucken – brauchten selbst T-Shirts für den Verein – daher zuerst interner Workshop – autodidaktisch die Techniken angeeignet – Videotutorials am Anfang, der Rest ausprobieren – schwierig reinzukommen, wenn man Parameter gefunden hat (z.B. Belichtung) geht es einfach – das Sieb kommt fertig bespannt – blaue Fotoemulsion kommt auf die Siebe – Motive werden auf Transparentfilm im Laserdrucker angefertigt – draufgelegt und belichtet – Farben durch das Sieb streichen – die Farbe wird in das Textil eingedrückt – zuletzt mit 360 Grad fixiert – Seidenstrasse – Rohrpostsystem – Drainagerohre betrieben mit Industriestaubsaugern – Communityeffort – RaumbeschreibungGenariya – Illusion einer fühlenden Seele – christinemayerhofer.de – vertikales Bällebad.

00:54:38 Nähnerds
Congress Sewing Circle – Zwei Tische voll Nähmaschinen – Textilgebirge – In den letzten Jahren Stickmaschine vom RaumZeitLabor dabei – aber für Congress eigentlich zu Langsam in der Produktion (Sticken dauert 05-2 Std. pro Motiv) – lasst uns mal nähen – Mehrere Leute haben sich zusammengetan: Jiska, Bine, Marsi – Subassembly zwischen RaumZeitLabor und Shackspace – Coverlock- und Overlock-Nähmaschinen – Marsi hat im Hackerspace nähen gelernt, will die Erfahrung teilen – Jiska erzählt warum Sticken im RaumZeitlabor – Namen für Laborkittel sollten gestickt werden – Externer Auftrag nicht billiger als Stickmaschine kaufen, also selbst machen – später Stickmaschinen aufgerüstet –  größer sticken wollen, größere Maschine, größere Projekte – Marsi hat mit billiger Nähmaschine und wenig Zubehör angefangen – wichtige Erfahrung im Hackerspace mit guter Maschine zu Nähen – plötzlich hat es funktioniert – hat derzeit zwei weitere Nähmaschinen und spart für eine Covermaschine – In der Assembly kann man Nähen lernen: Mütze, Pantys – Reste vernähen mit Leuten – gefühlt 2/3 weibliches Publikum an den zwei Tischen – Textiles Making im Hackerumfeld eher punktuell im Einsatz – Nähen lernen ist auch frustrierend – man steigt mit einfachen Sachen ein – Jiska ist jetzt an einem Punkt, wo sie Dinge nähen kann, die sie gar nicht kaufen könnte oder wollte – Nähen heisst nicht unbedingt Geld sparen, jeder Discounter verkauft billiger – Customizing ist eher das Argument: bestimmte Farben, bestimmte Maße – oder weil es einfach Spass macht – und ist entspannend, weil konzentriert dabei – Ausgleich zum IT-Beruf – Bedürfnis etwas zum Anfassen zu machen, ob Holz oder Stoff – Textile Prozesse oft proprietär – z.B. Pony stricken ist sehr kompliziert, Sticksoftware musste angepasst werden – weiter geht es – kurzer Stop bei der Station der Seidenstrasse – Kapseln des Rohrpostsystems – am Hardware Hacking Bereich vorbei in den nächsten Raum.

01:14:14 Sewable Electronics
Electronic Geek Bag – Leuchtende LED-Taschen mit sewable Electronics – Shinnamon – viel Feedback für Tasche mit Katze und leuchtenden Augen – wäre doch was für den Kongress? – etwas für Leute, die a) nicht nähen b) nicht programmieren können müssen – Einführungen für beide Seiten – in der Tasche vernäht sind LEDs – Sewable Electronics haben größere Ösen zum Vernähen – man näht mit leitenden, metallenen Faden – einfache LEDs und Neopixel-LEDs von Adafruit – kleiner Arduino-Prozessor (Gemma/ Adafruit) – Lichtsensor (Augen der Katze: im Hellen aus und im Dunklen an) – Animation (Augen zwinkern) – die Katzentasche ist ein Hingucker – alle Infos auf GitHub – Kit gibt es beim Kongress zu kaufen – Kit (Tasche, Filz usw.) – Filzmotiv wird mit Textilkleber aufgeklebt – Bauteile an Tasche vernäht – Filz drüber um Nähte zu verstecken – Lithium-Ionen Akku, weil viel Elektronik – gehören zur Team23-Assembly – Informatik-Gruppe aus Regensburg.

01:21:06 Digitaler Sandkasten
Digitaler SandkastenGitHub – Höhenprofile als Projektion auf Sand – Sandkasten je höher und tiefer der Sand, verändert das die Farbe – Farben wie im Schulatlas – Kinect 3D

01:24:17 Vom UG in den 2. Stock
Sticker-Tauschplattform – an der Lounge vorbei – auf dem Weg zur Selfie-Station – C3fotobox war leider defekt (hätte wie im Foto unten aussehen sollen: @nahlinse und @chrismarquardt – zum Nachhören “079 Katzen, Käse und Kongress“) – Bad Karma: Apparate gehen kaputt wenn Tine ihn sich nähert (ebenso: Wunschmelodien-Apparat) – Glasfahrstuhl – durch die Food Area hindurch – Sofa der Digital CourageFood Hacking Base – zurück in den 2. OG in den Kids Bereich.

01:31:43 Fazit des Rundgangs
Selbermachen aufgrund eines Bedürfnisses (Produktorientierter Ansatz) – Ich brauch ein T-Shirt, also mach ich mir eins – ähnlicher Ansatz wie Ikone der Making-Szene Adam Savage – der näht, schweisst, macht Elektronik – nicht stehenbleiben, sofort kommt die nächste Technik hinzu, in die man sich einarbeiten möchte – in USA Making z.B. auch Crafting – im Deutschen Making = Technik & IT – Hype des technischen Making – Handarbeit rausgefallen – Making = kreieren – Keynote MakerFaire USA von Savage – viel Holz, viel Elektrobasteln – Maker Faire – Wandel – Technologien vermischen sich – Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt – in vielen Bereichen unsere Umwelt zu formen – FabLabs, MakerSpaces,aber auch auf dem CCC – Was macht der CCC richtig? 1) Neugierig machen 2) Wandel mittragen können und mit der Zeit gehen 3) Inspiration 4) Bereitschaft in die Gesellschaft hinein zu wirken.

Gibt es zu der Episode noch offene Fragen oder Ergänzungen? Dann schreibt uns in den Kommentaren. Wenn die Episode oder der Podcast Euch gefallen hat, dann könnt Ihr uns mit einer Bewertung oder Rezension bei iTunes eine Freude machen.

Gäste: Monika Andrae  (@nahlinse)
Gastgeberin: Tine Nowak (@tinowa)
Technik: Daniel Pauls/Audiohölle
Musik: “The Bottom (instrumental)” by Josh Woodward (CC BY)

Tine Nowak

Gastgeberin des Kulturkapital-Podcasts. Arbeitet an der Universität zu Köln, promoviert an der TU Darmstadt, lebt bei Offenbach.

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